Schnee, Heimrunde und die Geburtsstunde der Kampfgummibären. Derendingen im Ausnahmezustand
Über Nacht hatte es geschneit. Richtig geschneit. So geschneit, dass man beim Aufstehen kurz überlegte, ob man nicht doch lieber den Schlitten statt Hallenschuhe einpacken sollte. Doch für die E-Junioren des Uniho Derendingen gab es kein Zurück: Heimrunde in der Turnhalle Derendingen Mitte.
Treffpunkt war um 11:00 Uhr in der Garderobe und die Stimmung dort war eine Mischung aus Nervosität, Vorfreude und sehr viel Energie, die irgendwo hinmusste. Kein Wunder: Heimrunde ist eben nicht irgendeine Runde. Heimrunde heisst volle Halle, bekannte Gesichter, viele Erwartungen.
Eltern, Tanten, Onkel, Göttis, Gottis, Grosseltern und sehr wahrscheinlich und vermutlich auch entfernte Cousins dritten Grades füllten die Ränge und sorgten schon früh für ordentlich Hallenatmosphäre.
Mit einem monumentalen Kader von sagenhaften 18 Spielerinnen und Spielern trat Derendingen an. Ein Kader so gross, dass selbst die Trainer kurz nachzählen mussten, ob wirklich alle da sind. Ja, waren sie. Und sie waren bereit.
Nach der letzten Meisterschaftsrunde war einiges aufgearbeitet worden. Im Training wurde analysiert, diskutiert, ausprobiert und vor allem gelernt:
– Der erste Match gehört uns.
– Rückschläge sind kein Grund zum Aufgeben.
– Ein Spiel dauert 24 Minuten – und die zählen alle.
Nach klaren Worten, einem hochkonzentrierten Aufwärmen, der finalen Blockeinteilung und der heute erstmals eingeführten, inzwischen bereits legendären Kampfgummibären-Zeremonie war die Bühne bereit.
Spiel 1: Uniho Derendingen – Unihockey Langenthal Aarwangen Rot
Punkt 12:00 Uhr der Anpfiff. Die Traineransage war so simpel wie wirkungsvoll: Zuerst hinten dicht – dann vorne Party.
Und wie diese Party startete. Nach unfassbaren 19 Sekunden (die exakte Zeit wird aktuell noch vom Kampfgericht geprüft) lag der Ball bereits im Tor des Gegners. Die Halle explodierte, erste Fans sprangen von den Sitzen und irgendwo ging vermutlich ein Trommelfell leicht in die Knie.
Doch Derendingen blieb ruhig. Keine wilde Hektik, kein kopfloses Anrennen. Die Defensive stand stabil, als wäre sie einbetoniert, und vorne wurde clever kombiniert. Tor um Tor folgte, immer begleitet vom Wissen: Konzentration halten!
Die Kids spielten füreinander, kämpften füreinander und feuerten sich gegenseitig an. Nach 24 Minuten war klar: Das war nicht einfach ein Sieg. Das war ein Statement.
Schlusspfiff. Jubel. Umarmungen. Trainer mit breitem Grinsen. Ein Heimrundenstart, wie man ihn sich nur wünschen kann.
Spiel 2: Uniho Derendingen – Black Creek Schwarzenbach Schwarz
Nach dem Pausentee, neuen Energiereserven und einem leichten Ketchup-Überbleibsel im Gesicht ging es in die nächste Runde. Die Stimmung war locker, vielleicht sogar etwas zu locker.
Ein paar ernste Blicke, klare Worte und zur Sicherheit nochmals ein Griff zu den neu eingeführten Kampfgummibären. Jetzt aber.
Der Start war erneut vielversprechend: 2:0 nach 3 Minuten und 29 Sekunden. Alles lief nach Plan. Zu gut? Vielleicht.
Denn dann kam eine Phase, die man nur als sportlichen Ausnahmezustand bezeichnen kann. Innerhalb von 17 Sekunden kassierte Derendingen drei Gegentore. Kurz darauf noch eines. Plötzlich stand es 4:2 für Black Creek und man hörte in der Halle kollektiv ein „Hä?“ durch die Reihen gehen.
Derendingen kämpfte weiter, zeigte Moral und steckte nicht auf. Doch Black Creek blieb effizient und zog davon. Am Ende stand ein 7:3 für den Gegner. Enttäuschung? Ja. Aufgeben? Nein. Denn der nächste Match wartete bereits.
Spiel 3: Uniho Derendingen – Racoons Herzogenbuchsee Blau
Kaum Zeit zum Durchatmen. Schneller Dresswechsel, kurze Ansprache. Genau diese Situation war trainiert worden: Frust abhaken, Fokus nach vorne.
Punkt 14:00 Uhr der Anpfiff – und nach knapp drei Minuten der Rückschlag: 0:1. Ein kurzer Gedanke auf der Tribüne: Oh nein, nicht schon wieder. Doch die Antwort kam sofort.
Zwei Sekunden später: Ausgleich. Was folgte, war ein echter Thriller. Die Racoons gingen in Führung, Derendingen glich aus. Wieder Führung, wieder Ausgleich. Beim Stand von 2:3 war die Stimmung kurz am Kippen doch genau jetzt zeigte sich, was dieses Team gelernt hatte.
Acht Minuten vor Schluss stand es 3:3. Und dann zündete Derendingen die nächste Stufe. Mehr Tempo, mehr Wille, mehr Teamgeist. Zwei Tore, pure Emotion. Nach einem ohrenbetäubenden Countdown der 5:3 Endstand!
Ein Finale, das in Erinnerung bleibt
Was danach folgte, war grenzenlose Freude. Die Kids sprangen, jubelten und feierten, als hätten sie gerade einen der grössten sportlichen Momente überhaupt erlebt.
Die Fans ausser sich, der Lärmpegel jenseits von gut und böse. Man munkelt, man habe ihn noch in China gehört.
Fazit
Diese Heimrunde hatte alles:
Drama, Emotionen, Lernmomente – und ganz viel Herz. Zwei Siege, eine Niederlage, aber vor allem ein Team, das zusammengewachsen ist.
Wenn Derendingen an diese Leistung anknüpft, ist es keine Frage mehr, ob das Saisonziel erreicht wird sondern nur noch wann. 🏑🔥💙

